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B! S! G!

Ich habe soeben die letzte Folge der dritten Staffel von Battlestar Galactica gesehen, und erklärt bekommen, was mich so an dieser großartigen Serie reizt:

…But we are not a Civilization anymore. We are a Gang now. And we are on the Run…

Ich trete jetzt sofort der Buffylinken bei, um das weiter zu erörtern.

Behold Minerva

Unter dem Namen “Project Minerva” hat der US – Verteidigungsminister Robert Gates am 14. April einen Fonds von immerhin $ 50 Millionen über 5 Jahre für Recherchen zu Themen ausgelobt, die immerhin auch “Religious and Ideological Studies” in Bezug auf Jihadismus einbeziehen sollen. Das Pentagon wirft also mit Geld nach den Humanities und Social Sciences, mit Schwerpukt auf Anthropology, selbstverständlich orientiert am US – Amerikanischen Wissenschaftsbetrieb, aber anscheinend international ausgeschrieben. Wahrscheinlich spielt dabei auch die gute alte Innenpolitik eine Rolle, die Wahrscheinlichkeit, dass dem dortigen akademischen Mainstream etwas entgegen gehalten werden soll, wird jedenfalls durch dessen Reaktion nahegelegt.

Ich habe leider auch nicht herausgefunden, wo sich zu bewerben wäre, persönliches Interesse habe ich daran ja auch keines mehr. Deutsche Soziologen sollten aber mit dem Pfund der Verbundenheit jihadistischer zu deutscher Ideologie, wie sie in der Person Mohammed Amin al-Husseini zum Ausdruck kam, wuchern können. Jedenfalls sollte jemand Matthias Küntzel Bescheid sagen, wenn der es nicht längst schon weiss.

An die Zeiten, in der Kritische Theorie vom US – Geheimdienst betrieben wurde, wird sich wohl kaum anknüpfen lassen. Die Initiative kommt wohl auch zu spät, um noch Einfluss auf den anscheinend ausklingenden War on Terror zu nehmen. Zumindest an einer angemessenen Nachbereitung könnte so aber vielicht partizipiert werden. Ein Rahmen für eine Habilitation jenseits deutsch – akademischer Befindlichkeiten könnte es allemal sein.

Benefits Supervisor Sleeping

Seitdem mir klar ist, dass es sich bei meiner Header-Illustration um ein Rekordpreis-Gemälde handelt, schwanke ich ein wenig zwischen einem gewissen Stolz und leichter Scham ob meiner unbewusst opportunistischen Objektwahl. Ich bin ursprünglich nur per Zufall auf das Bild gestoßen und war zugegebenerweise zunächst lediglich von dem Titel begeistert, der wohl mit „Schlafende Jobcenter-Sachbearbeiterin“ übersetzt werden könnte. Dass es von einem Enkel Sigmund Freuds persönlich stammt, passte nur um so besser.

Mittlerweile hat das Bild selbst mich für sich eingenommen. Es bedurfte zweifelsohne der besagten Betitelung, um den assoziativen Prozess in Bewegung zu bringen, um so langwieriger war dieser dann allerdings auch.
Wer die Institutionen der Elendsverwaltung mit einer gewissen Regelmäßigkeit besucht kann sich oft einer merkwürdigen Ambivalenz nicht entziehen, die sich zwischen Verwalteten und Verwaltenden auftut. Vergleichbar vielleicht mit der Situation in einem Gefängniss sind beide, Wärtern und Insassen ähnlich, dazu gezwungen, die gleichen quälenden Prozeduren durch zu exerzieren, auch wenn nur auf einer Seite die Existenz dran hängt. Dass beide die Stühle miteinander tauschen könnten, ohne dass ein Unterschied bemerkbar wäre, liegt nahe, passiert hier und da wohl auch; die Voraussetzungen, die das Amt von den ihm Unterworfenen verlangt, sind auf beiden Seiten des Tisches ähnlich genug.

Nicht nur solche Ähnlichkeit klingt an in der Darstellung der britischen Sachbearbeiterin, die als Modell ja auch tatsächlich existiert. Über Fettleibigkeit als eines der dieserzeit gängigsten Stereotype der so genannten Unterschicht gab es bei Nichtidentisches unter Adipositas bereits lesenswertes.
Die Darstellung der Dicken hat auch etwas von einem Zitat, Rubens wäre beispielhaft zu nennen. Das Körpermerkmal steht, in der klassischen europäischen Kunst und nicht nur dort, allerdings für Wohlstand; Statussymbol aus Zeiten, in denen körperliche Arbeit noch die Grundlage gesellschaftlichen Reichtums darstellte. So wird auch auf die Bedingungen verwiesen, unter denen Armut sich im Rückgriff auf schal gewordene Privilegien äußert, gleichsam auf eine Gesellschaft, der die Fülle ihres Potentials deutlich anzusehen ist.

Aber es bleibt eben beim bloßen Potential. Verharrend im Schlaf der Verwaltung akkumuliert es sich als zunehmende Hemmnis, als Fett. Die Maßgaben der Verwertung verhalten Mensch und Maschine zum Dasein als variables/humanes und fixes Kapital, und anders als im bürgerlichen Zeitalter des 19. Jahrhunderts, über das Marx schrieb, ist es nicht mehr der Zwang zur freiwilligen Unterwerfung unter diese, dem die Individuen ausgesetzt sind. Die Bezogenheit auf den Markt, ob nun als tatsächliche Verwertung oder bloße Bereitschaft dazu, wird heutzutage vom Staat verordnet und reglementiert, in Ausmaßen, die der oft bemühten Bezeichnung des Ersteren als frei Hohn spricht. Das Subjekt regrediert zum passiven Moment der Gesellschaft; darin haben Leistungsträger wie -beziehende ein Moment vom Hartz4-Empfänger.

Es finden sich keine Momente von Gier oder fauler Trägheit, den klassischen Merkmale des vulgären Antikapitalismus, in L. Freuds Darstellung. Gerade die Pose als Schlafende verleiht eine gewisse, gleichsam keineswegs unmittelbare Schönheit. Als Erwachte, gar in Bewegung, könnte ihre schiere Masse durchaus bedrohlich wirken.
Der Wunsch, die Schlafende möge verharren, trägt auch die Furcht vor ihrem Erwachen mit sich. Dass die Gesellschaft ihren gleichsam rasenden Stillstand aufgibt, sollte auch Angst auslösen; dass das angestaute Potential der technischen Möglichkeiten sich in der bisherigen Geschichte noch immer als destruktives entladen hat, kann nur schlechterdings vergessen werden, auch und gerade weil anderes möglich, zumindest denkbar wäre. Freilich hat die Hoffnung, es möge einfach bleiben, wie es ist auch etwas traumhaft-naives; Schlafende sind nicht tot, das Erwachen kommt unweigerlich.
Seit die Geschichte mit dem Ende des kalten Krieges wieder in Bewegung geriet, hat es keine Anzeichen gegeben, der kommende Wandel schicke sich an, einer zum Guten zu werden. Unter diesen Bedingungen ist das versuchte Festhalten am Bestehenden einer womöglich noch vorbehaltlosen Bejahung von Veränderung allemal vorzuziehen. Zweifelsohne könnte das bedrohlich Kommende nicht abgewendet werden, vielleicht aber hinausgezögert und somit auch verändert werden. Viel, wenn nicht alles, mag daran hängen, wie sanft die gewaltige Schlafende erwacht.

Ding

„Nackt schaut Kant an sich herunter, und erblickt das Ding an sich.“

Gefunden beim durchblättern einer Sammlung von „Sponti“-Sprüchen.

Es gibt sie wirklich.

In Zeiten, in denen Ideologie ihre Bindekraft nicht mehr primär aus einem Erkenntnisversprechen oder wenigstens inhaltlicher Kohärenz gewinnt, muss mit allem gerechnet werden, wenn dieses „alles“ auch fast immer ephemer und randständig bleibt.
Die Frage, ob Menschen, die sich selbst als Nazis verstehen, Gründe finden könnten, sich mit Israel solidarisch zu erklären, hat mich hier und da schon umgetrieben. Inhaltliche Streitigkeiten aus insbesondere der französischen Rechten, die sich in etwa entlang der Linie „Rassisten gegen Antisemiten“ orientierten, waren ja schon bekannt. Das Phänomen nunmehr vor Augen (kein Link, um die entsprechende Aufmerksamkeit zu vermeiden, also copy&paste: http://www.nasofi.blogspot.com/), erscheint die Sache dann auch schon nicht mehr besonders spannend. Das ganze kommt ein wenig überholt, namentlich sozialdarwinistisch daher: „Ein starkes Volk verdient es zu leben!…und ein krankes zu sterben!“.
Immerhin ist ein wenig erstaunlich, dass doch immer wieder so genannte Nazis auftauchen, die sich um eine gewisse Stringenz in ihren Darstellungen bemühen. Es steht allerdings zu erwarten, dass genau dieses Bemühen sie, noch vor allen anderen Unzulänglichkeiten, zum Scheitern verurteilt.