Cash-in

Es gehört wohl zu sogenannter Außenpolitik, dass sie sich in der Substanz nicht ändert, durchaus aber mal im Ton. Und so wird denn oftmals der Eindruck erweckt, Obama würde tatsächlich etwas anders machen als sein unbeliebter Vorgänger, was wohl ganz in seinem Sinne ist.

Wenn ein Projekt wie der Raketenschild abgebrochen wird, ist es ja auch nicht so, dass nichts passiert. Die Frage ist aber kaum, ob nun ein Großzügiger und netter oder ein hartherzig-verbohrter Präsident die Entscheidungen trifft sondern die, ob der Zweck der Veranstaltung erreicht ist oder nicht. Russlands unmittelbare Reaktion könnte ein Hinweis darauf sein, dass genau dies hier der Fall ist. Dass es nie darum ging, Europa vor Iranischen Raketen zu schützen, lag jedenfalls schon länger auf der Hand. Das Entstehen einer weiteren Atommacht zu verhindern dürfte im gemeinsamen Interesse Russlands wie der USA liegen, dass Russland dem bisher wenig nachgegangen ist scheint mir im wesentlichen einen Verhandlungschip darzustellen und mit dem Ausdehnen des Raketenschilds seitens der USA dürfte es sich ähnlich verhalten. Letztlich ist der Iran in diesem Zusammenhang so etwas wie ein Spielfeld, auf dem die Großmächte ihre Karten spielen; gleichwohl hat er sich selbst dazu gemacht, wohl auch in der Hoffnung auf daraus entstehenden Spielräumen. Und auch diese Rechnung ist aufgegangen in dem Sinne, dass sein Atomwaffenprogramm mittlerweile wohl abschließbar ist, worauf auch immer sich jetzt international noch geeinigt wird.

Somit bleibt der schwarze Peter bei Israel, und es macht nur zu viel Sinn, dass außer den Großmächten auch noch diverse Andere froh sind, die militärische Bereinigung dieses Problems mitsamt dem entsprechenden politischen Fallout beim Neighbourhood Bully belassen zu können, der seinerseits keine Wahl haben wird. Immerhin scheint die Auslieferung von ernsthafter Luftabwehr durch Russland mittlerweile unwahrscheinlich, aber wie viel politisches Kapital noch aus der Distanzierung von Israel und dem, was es wohl wird tun müssen, gezogen wird, bleibt abzuwarten.