Löcher

Während also in den USA auf einen Neuanfang gehofft wird, bereitet sich ein großes und ein kleines Meer weiter die Widerholung vor. Ob der vorgestern endgültig abgeschlossene Abzug der IDF aus dem Gaza nun ein Zugeständnis an den neuen Präsidenten ,an den international ansteigenden Druck generell oder an den Bedarf nach Innenpolitischer Profilierung war – mehr als eine Widerherstellung des als „Waffenstillstand“ bezeichneten Zustandes hat dieser Feldzug nicht erlaubt. Die Tunnel an der ägyptischen Grenze nehmen anscheinend schon wieder den Betrieb auf, und die technisch durchaus gegebene Möglichkeit einer Unterbindung des Schmuggels wird zumindest vorerst am politischen Willen auf Seiten Ägyptens scheitern.
Es steht also eine Widerbewaffnung der Hamas zu erwarten, über kurz oder lang also auch die nächste große Militäraktion Israels, wenn nicht doch der niedrige Ölpreis dem Iran die Finanzierung dieser Tragödie unmöglich macht. Aushalten zu müssen ist für Israel zum Glück nichts neues, und vielleicht muss man doch dankbar sein für die perfide Rolle, die Regierung Mubaraks in ihrer Vermittler-Rolle zukam: Die Verweigerung von internationalen Truppen zur Kontrolle der Grenze wird, wenn aufrecht erhalten, die Verantwortung für den Gaza in Richtung Ägypten verlagern. Dies scheint mir auch das längerfristige Kalkül hinter dem Abzug aus diesem Landstrich.

Die Weltöffentlichkeit hat sich auch diesmal wieder zuverlässig uninteressiert an solchen Zusammenhängen gezeigt, quasi gemäß ihrer scheinbar festgeschriebenen Rolle als Waffe der Gegner Israels. Allerdings kam es mir durchaus so vor, als wäre zu mindest in Deutschland eine gewisse Mäßigung oder Hemmung der antizionistischen Akteure wahrnehmbar. Die üblichen Verdächtigen taten sicher das, was sie bei gegebener Gelegenheit immer tun, und für ekelhafte Auswüchse auf der Straße steht vorerst Duisburg Synonym.
Aber die leichte Tendenz zu Israel, die ich etwa in Angela Merkels Äußerungen herauszuhören meinte, scheint mir zumindest den Zwang zur Äquidistanz, gerne in Form polarisierter Darstellung (1,2), verstärkt zu haben. Dazu kommt die Desolidarisierung der Fatah von der Hamas und dass Israel sich dieses mal bedeutend mehr Gedanken um die PR gemacht zu haben scheint. Vielleicht spielte auch eine Rolle, dass die Hamas im Vergleich zur Hisbollah wesentlich schlechter aufgestellt ist, aber in diese Bresche sprang hierzulande ja dankbar die Mili Görus.

Die Israelsolidarität steht wie bisher auch auf tönernen Füßen, allerdings scheint der – durchaus wechselseitige – Bezug zum Mainstream sich doch verstärkt zu haben. Die „Groß“– Kundgebung der jüdischen Gemeinde in Berlin wäre davon, in aller Ambivalenz, jedenfalls adäquater Ausdruck. Aber meine subjektive Einschätzung mag auch getrübt sein davon, dass ich mich dass erste mal auf einer lokalen Kundgebung zur Solidarität mit Israel wiederfand, die mehr als 30 Teilnehmende aufzuweisen hatte. Eigentlich ja ein ermutigendes Gefühl, dass seine Retour aber in dem Moment erfuhr, als ich mich mit einem mir Unbekannten zum Thema unterhielt. Nach der üblichen wechselseitigen Bestätigung in der aktuellen Angelegenheit versuchte er, das Gespräch auf seine Solidarität mit Tibet zu lenken…


4 Antworten auf “Löcher”


  1. 1 Lala 30. Januar 2009 um 15:11 Uhr

    Ist denn die ganze Solidarität für Israel draufgegangen, so dass für Tibet (oder sonst irgendwen) nichts mehr übrigbleibt ?

  2. 2 Administrator 01. Februar 2009 um 21:06 Uhr

    Interessante Frage. Sollte da denn Solidarität übrig bleiben – und für wen, wenn nicht für Tibet? Ich bin da jedenfalls sehr selektiv und halte das auch für angemessen…

  3. 3 schildkröte 04. Februar 2009 um 11:50 Uhr

    „sehr selektiv und halte das auch für angemessen… “
    „Ist denn die ganze Solidarität draufgegangen?“
    hä? habt ihr begrenzte Solidaritätsreservoir oder wie ist das zu verstehen?

  4. 4 Administrator 10. Februar 2009 um 22:18 Uhr

    hä? habt ihr begrenzte Solidaritätsreservoir oder wie ist das zu verstehen?

    Klar. Du nicht?

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