Time of Crisis

…pick ourselves up, dust ourselves off…

Wenn aus Obama einer dieser Präsidenten werden sollte, die in der Geschichte genannten Rückprojektion als groß erscheinen, ist dieses Satz-Bruchstück mein Tipp für sein Signifikat. Aufgeklärten muss das Ritual der Amtseinführung aufgebläht, die geäußerte Hoffnung sentimental erscheinen; Same shit, different Day, wie es Joe Sixpack, nicht schön aber treffend, ausdrückt. Aber der grundsätzlich angemessenen abgeklärten Perspektive, so sie sich, sei es auch in Ablehnung, nur an der medialen Aufmerksamkeit orientiert, entgeht die Veränderung der Gesellschaft die sich im politischen Zeremoniell ausdrückt, ohne notwendig aus der Politik zu resultieren.

Obama jedenfalls kann durchaus zurecht mit Veränderung assoziiert werden, die er freilich keineswegs herbeiführt sondern repräsentiert. Ein schwarzer Präsident bedeutet kaum, dass die Situation schwarzer Amerikaner nicht mehr von dem eigentümlichen Erbe der Sklaverei geprägt ist, dass sie gewissermaßen als Minderheit schlechthin erscheinen ließ und wohl noch lässt. Dass einer von ihnen dennoch Präsident werden kann, stellt ein Exempel dar: Wenn es ein Schwarzer kann, können alle anderen es auch. Die Fähigkeit zur Integration in den amerikanischen Traum oder Way of Life scheint sich also in der Folge von 9/11 verstärkt oder erneuert zu haben, vielleicht auch schon davor.
Gründe dafür anzugeben scheint mir vorerst unmöglich, aber ich würde trotzdem davon ausgehen, dass hier ein gewisses Bewusstsein oder Gefühl von Krise zumindest mit hineinspielt. Das bezieht sich sicher nicht auf die Finanzkrise, eher schon auf den War on Terror, am ehesten vielleicht auf den Aufstieg Chinas. Dass jedenfals Obama von der failure to make tough Decisions spricht, lässt durchscheinen, dass sein Redenschreiber sugerrieren wollte, dass all die Probleme (in diesem Fall durchaus bezogen auf die Finanzkrise) nun endlich angepackt werden, auch wenn niemand so richtig weiß, wo genau sie eigentlich liegen.

EDIT 22.01.09:
Vielleicht ist es auch weniger eine stärkere Integrationskraft, wie ich sie oben unterstelle, sondern eher eine verstärkte Polarisierung der US-amerikanischen Gesellschaft, die Obama etwa die Stärke der Patchwork-Heritage beschwören lässt. Dass allerdings dazu überhaupt die Möglichkeit besteht, lässt mich als deutschen Staatsbürger nichtsdestotrotz mit Staunen dastehen.
Ich muss zugeben, dass ich mich dem Pathos, das mit der neuen Präsidentschaft einhergeht, schlicht nicht entziehen kann – was ich aber auch nach wie vor für angemessen halte, ein gewisses Maß an Reflektion vorausgesetzt.